Praxisprojekt: Entwicklung eines Pflegeleitbilds für das Klinikum Bad Salzungen

Das Klinikum Bad Salzungen vergab an unseren PDL-Weiterbildungskurs den Arbeitsauftrag zur Entwicklung eines Pflegeleitbildes. Das Projekt wurde von den Dozenten der F+U Akademie für Wirtschafts- und Sozialmanagement Heidelberg sowie dem Pflegedienstleiter Robert Knight begleitet. Frau Sabine Frenzel, Abteilungsschwester im Klinikum Bad Salzungen und Teil­nehmerin der F+U Weiterbildung zur Pflegedienstleitung nach DKG-Richtlinien, koordinierte die Projektgruppen bei der F+U Akademie für Wirtschafts- und Sozialmanagement sowie vor Ort im Klinikum.

Um ein Pflegeleitbild zu erarbeiten, wurde in dem thüringischen Krankenhaus eine Arbeitsgruppe „Pflegeleitbild“ gegründet, wo relevante Themen diskutiert und bearbeitet, immer wieder aktualisiert und individuell an die Einrichtung angepasst wurden. In verschiedenen Arbeitsaufträgen wurden dann einzelne Bereiche näher erarbeitet und die Ergebnisse später in der Gruppe vorgestellt. Die Formulierungen wurden gemeinsam immer wieder analysiert und bei Bedarf verändert.

Die hinter dem Pflegeleitbild stehende Idee, dass nämlich für die Patienten einer Einrichtung deutlich wird, welche grundsätzlichen Ideale, Werte und Ziele der Pflege zugrunde liegen, wurde dabei deutlich. Mit diesem Pflegeleitbild sollten auch weitere wichtige Fragen beantwortet werden: Wie können die Erwartungen und Bedürfnisse der Patienten und Angehörigen von den Pflegekräften angemessen erfüllt werden? Wie lässt sich eine Balance zwischen Leistungserbringung und Berufsverständnis erreichen? Wie können die Potenziale der Mitarbeiter erkannt und gefördert werden?

Die Frage, ob eine Einrichtung ein Pflegeleitbild überhaupt braucht, wurde und wird immer wieder kontrovers diskutiert. Die Meinungen reichen dabei von „völlig unnötig“ bis zu „wichtig für die Gesamtdarstellung unserer Pflege“.

Der derzeitige Strukturwandel im Gesundheitswesen mit der Forderung nach mehr Wirtschaftlichkeit und Leistungsnachweisen sowie dem Entstehen von Konkurrenz macht es aber erforderlich, der jeweiligen Einrichtung mit einem sorgfältig entwickelten Pflegeleitbild ein klares Profil zu geben.

Warum wird ein Pflegeleitbild benötigt?

Als einer der wichtigsten Gründe zur Erarbeitung eines Pflegeleitbildes hat sich dabei das sich derzeit rasch ändernde Berufsbild der Pflegenden herausgestellt. Die traditionelle Auffassung von Pflege mit dem Schwerpunkt kranke und pflegebedürftige Individuen und der Orientierung an der Medizin führt dazu, dass Pflege beinahe ausschließlich auf Krankenpflege verengt wurde. Hingegen darf die Pflege der Zukunft nicht auf den Patienten mit seiner Krankheit begrenzt werden, sondern bezieht auch das persönliche Lebensumfeld der Betroffenen und deren Angehörigen mit ein. Fachkompetenz sowie die Art und Weise, wie Pflegende auf die Wertvorstellungen von Patienten und deren Bezugspersonen eingehen und sich ihnen gegenüber verhalten, tragen maßgeblich zum Wohlbefinden und zur Sicherheit der Patienten bei.

Mit einem Pflegeleitbild wird ein Handlungsrahmen festgelegt, der für alle verbindlich und überprüfbar ist. Für die Mitarbeiter gibt es damit für die Stationsorganisation Zielsetzungen und Leitlinien, an denen sie sich orientieren.

Die Arbeitsgruppe in Bad Salzungen hat sich für das Pflegemodell von Lilian Juchli entschieden. Im Bereich der Psychiatrie – um den dortigen besonderen Bedingungen gerecht zu werden – fiel die Wahl auf das Modell von Monika Krohwinkel.

Beiden Modellen gemeinsam ist jedoch, dass sie reine Bedürfnismodelle sind und Aussagen machen

  • zum Menschenbild
  • zu Problemen, die pflegerisches Eingreifen erfordern
  • zu Art und Inhalt zur Einschätzung des Patienten
  • zu Art und Weise zur Zielsetzung der Pflege
  • zum Schwerpunkt zur Ausführung des Pflegeplanes
  • zur Bewertung und Effektivität der Pflege und
  • zur Rolle der Pflegenden

 

Für die Gruppenmitglieder gab es viel Neuland zu betreten: Gesetzliche Rahmenbedingungen, Einzelheiten des Pflegeprozesses, Inhalte der vielen verschiedenen Pflegemodelle, Präsentation und Moderation vor der Gruppe. Ende letzten Jahres jedoch konnten die Mitarbeiter das bis dahin erarbeitete Pflegeleitbild auf einer Stationsleiterkonferenz vorstellen und gerade wurde der Entwurf gemeinsam mit der Pflegedienstleistung aktualisiert und anschließend dem Geschäftsführer des Klinikums zur Verabschiedung vorgelegt.

Ergebnis: Das Pflegeleitbild des Klinikums Bad Salzungen

Unser Pflegeverständnis

Die Patienten stehen im Mittelpunkt unseres pflegerischen Handelns.

Wir achten die Würde des Menschen und fördern die Selbstständigkeit unserer Patienten.

Wir arbeiten nach dem Pflegemodell von Liliane Juchli. In der Klinik für Psychiatrie wird entsprechend den Bedürfnissen der Patienten nach dem Pflegemodell von Monika Krohwinkel gearbeitet. Diese ganzheitliche Pflege umfasst Körper, Psyche und soziales Umfeld und achtet auf deren wechselseitige Beziehungen. Wir berücksichtigen dies bei der Erfassung der Pflegebedürftigkeit, bei der Planung und bei der Ausführung von Pflegetätigkeiten.

Wir achten und wahren in unserem pflegerischen Handeln die Intimsphäre, die Individualität und das Selbstbestimmungsrecht unserer Patienten.

Wir fördern und sichern ihre Selbstständigkeit und helfen ihnen, eventuelle Einschränkungen zu bewältigen.

Wir schaffen eine Atmosphäre, in der auch Angehörige und Bezugspersonen sich jederzeit positiv einbezogen fühlen.

Wir betrachten das Sterben als einen natürlichen Abschluss des Lebens und beachten hierbei die besonderen psychischen, sozialen und religiösen Bedürfnisse unserer Patienten und ihrer Angehörigen.

Unsere Pflegequalität

Wir sichern und fördern ein einheitliches Qualitätsniveau. Dabei beachten wir anerkannte pflegewissenschaftliche Erkenntnisse.

Die Pflege wird fach- und sachgerecht durch qualifizierte und weitergebildete Pflegekräfte durchgeführt.

Wir erbringen unsere pflegerischen Leistungen innerhalb des Pflegeprozesses. Dies bedeutet, dass wir nach dem individuellen Bedarf unserer Patienten die pflegerischen Maß­nahmen planen, umsetzen, kontrollieren, auswerten und entsprechend dokumentieren.

Wir sehen diese Dokumentation als Mittel zur Auswertung der Pflegeergebnisse und als Nachweis unserer Pflegequalität.

Wir besprechen die durchzuführenden Pflegemaßnahmen mit unseren Patienten, ihren Angehörigen oder Betreuern und beziehen sie in den Pflegeprozess mit ein.

Wir wenden Pflegestandards an, die regelmäßig an die aktuelle Situation und an anerkannte pflegewissenschaftliche Erkenntnisse angepasst werden. Diese Standards werden im Haus durch Arbeitsgruppen entwickelt bzw. für unser Klinikum angepasst und entsprechend umgesetzt.

Wir ermitteln regelmäßig die Patienten- und Mitarbeiterzufriedenheit, werten diese aus und setzen darauf basierend Verbesserungsmaßnahmen um.

Unser Menschenbild

Wir respektieren alle unsere Patienten, ungeachtet ihrer Herkunft, Konfession, Hautfarbe, Bildung, Leistungsfähigkeit oder ihres Geschlechtes. Wir achten die unterschiedlichen religiösen und kulturellen Gewohnheiten und unterstützen diese im Rahmen des Möglichen.
Wir bieten unseren Patienten und deren Angehörigen seelsorgerliche Betreuung an.

Unsere Zusammen­arbeit

Wir arbeiten als therapeutisches Team mit allen beteiligten Berufsgruppen zusammen und gewährleisten einen effizienten Informationsaustausch. Hierzu nutzen wir unser Krankenhausinformationssystem.

Wir führen mehrmals täglich strukturierte Übergabegespräche durch und sichern damit einen kontinuierlichen Informationsfluss.

Wir arbeiten kooperativ mit allen Bereichen des Klinikums zusammen und sind bestrebt, alle Aufgaben im Bereich der Diagnostik, Therapie und Verwaltung zu erfüllen, wobei die direkte pflegerische Versorgung als vorrangig betrachtet wird.

Wir führen eine ausführliche strukturierte Dokumentation unserer Leistungen durch. Auf allen Stationen und Funktionsabteilungen nutzen wir intensiv unser Krankenhausinformations-system

Wir stellen den nachbetreuenden Einrichtungen alle pflegerelevanten Informationen anhand eines Pflegeüberleitbogens zur Verfügung.

Wir führen monatliche interdisziplinäre Dienstbesprechungen durch.

Unsere gesellschaftliche Verantwortung

Wir tragen zum wirtschaftlichen Erfolg des Klinikums bei.

Wir zeigen Verantwortung für unsere Umwelt durch ein bewusstes und ressourcen-schonendes Verhalten.

Wir sehen die Wirtschaftlichkeit des Klinikums nicht unabhängig von der pflegerischen Versorgung der Patienten, von der Qualität der Arbeit, von den Arbeitsbedingungen des Personals, sowie dem ökologischen Umgang mit Ressourcen.

Unter Berücksichtigung der genannten Aspekte betreiben wir eine effiziente Personal-einsatzplanung.

Wir sorgen für einen ökologischen Umgang sowie einen wirtschaftlichen Verbrauch von Pflegematerialien, Lebensmitteln und sonstigen Wirtschaftsgütern.

Wir fördern das Kostenbewußtsein unserer Mitabeiter.

Wir bekennen uns zu unserer Verantwortung gegenüber der Umwelt und nehmen diese wahr.

Unsere Mitarbeiter

Die Pflege wird fachgerecht durch qualifizierte Mitarbeiter durchgeführt.

Unsere Mitarbeiter nehmen kontinuierlich an Fort- und Weiterbildungen teil, um unser Qualitätsniveau zu erhalten und stetig zu verbessern.

Die Erhaltung der Gesundheit unserer Mitarbeiter ist uns wichtig.

Die Qualifikation unserer Pflegekräfte entspricht ihrem Einsatz- und Aufgabengebiet. In Abteilungen mit speziellen fachlichen Anforderungen setzen wir auch Fachkräfte mit mehrjährigen Zusatzausbildungen ein.

Wir erwarten von unseren Mitarbeitern eine kontinuierliche berufliche Weiterentwicklung.

Wir bieten regelmäßig interne und externe Fort- und Weiterbildungen an und unterstützen zusätzlich durch ein breites Angebot an Fachliteratur.

In bestimmten Bereichen steht die Möglichkeit der Supervision zur Verfügung.

Wir messen der praktischen Aus­bildung unserer Krankenpflegeschüler einen hohen Stellenwert zu. Auf allen Stationen und Funktionsabteilungen sind Mitarbeiter als Praxisanleiter benannt und durch eine berufspädagogische Zusatz­qualifikation entsprechend weitergebildet.

Wir stellen Pflegehilfsmittel zur Verfügung, welche die Gesundheit erhalten, und bieten Angebote zur Gesundheitsvorsorge an.